Bonifatiushaus

Mittwoch 30.09.2009
Thema: "Drahtseilakt Menschenrechte"
und Eröffnung der Ausstellung "Daheim auf 2qm- Vom Leben im Käfig"
Referentin: Elisabeth Strohscheidt-Funken

Zum Vortrag "Drahtseilakt Menschenrechte" von Frau Elisabeth Strohscheidt-Funken und der anschließenden Ausstellungseröffnung von "Daheim auf 2qm - Vom Leben im Käfig" hat das Bonifatiushaus einladen. Das "Recht auf Wohnen" war somit im Fokus der vierten Veranstaltung der Ringvorlesung.

Durch ihre Reisen nach Asien konnte Frau Strohscheidt-Funken, Menschenrechtsreferentin von Misereor, persönliche und aufwühlende Schilderungen geben, wie dramatisch die Lage von Menschen in Slums und die der sogenannten "Cage People" ist. 50 Prozent der Weltbevölkerung leben heute schon in Städten und täglich kommen 180.000 weitere Menschen durch Landflucht hinzu führte Frau Strohscheidt-Funken aus. Ergebnis dieses Prozesses und einer verfehlten Wohnungsbaupolitik sei das unwürdige Leben dieser Menschen. Die Schere von Arm zu Reich gehe jedoch nicht nur in Städten wie Hongkong weit auseinander sondern sei auch ein nicht zu vergessendes deutsches Problem. Die Moderation der sich anschließenden Diskussion und die Eröffnung der Ausstellung wurde von Herrn Gunter Geiger vorgenommen.

Die Ausstellungsbesucher konnten sich dann im Atrium des Bonifatiushauses persönlich über die Lebensverhältnisse der "Cage People" auf 17 Bannern und durch zwei Installationen informieren. Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei das Original eines solchen "Wohnkäfigs" der auf eindrucksvolle Weise die Situation dieser Menschen nachvollziehbar macht.

 

Referentin Frau Elisabeth Strohscheidt-Funken
Ausstellungseröffnung von "Daheim auf 2qm"
Der Direktor des Hauses Herr Gunter Geiger im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern
Blick in einen "Wohnkäfig"


Donnerstag, 24.09.2009
"Rico, Oskar und die Tieferschatten"
Lesung in Zusammenarbeit mit der Abt. Schule/Hochschule/Medien des Bischöflichen Generalvikariates


Herr Rainer Sippel, Geschäftsführer des Antoniusheimes Fulda, hat aus dem Kinderroman "Rico, Oskar und die Tieferschatten" von Andreas Steinhöfel vorgelesen. Das Buch hat in diesem Jahr den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz erhalten.

Herr Gunter Geiger, Direktor des Bonifatiushauses Fulda, begrüßte alle Gäste und führte in das spannende, unheimlich sensible und auch tiefgreifende Lesevergnügen ein. 

Das Buch handelt von zwei Freunden, die ungleicher nicht sein könnten: Rico, groß und schlaksig, kann nicht ganz so schnell denken wie andere, kommt aber dank seiner Unerschrockenheit meistens an sein Ziel. Oskar ist klein, ziemlich schlau und trägt aus Angst vor der Welt einen Schutzhelm auf dem Kopf. Eines Tages stolpert Oskar in Ricos Welt, als der sich gerade über den Verlust einer Fundnudel ärgert. Die Freundschaft wird gleich zu Beginn auf eine harte Probe gestellt. Rico führt ein Ferientagebuch, in dem er über diesen aufregenden Sommer, in dem sein neuer Freund Oskar entführt wird, berichtet. Rico wächst über sich hinaus und rettet seinen Freund. Das Buch ist weit mehr als eine gut konstruierte und höchst vergnüglich erzählte Kriminalgeschichte. Steinhöfels warmherziges und sensibles Protrait eines ungewöhnlichen Jungen ist ein glaubwürdiges Plädoyer für ein christliches Menschenbild, für Menschenwürde und Toleranz, Respekt und Nächstenliebe.

Das Buch erhielt nur beste Kritiken, z.B. der Frankfurter Allgemeinen Zeitung "Steinhöfel hat mir Rico geradezu die zeitgenössische Gegenfigur von Kästners Berlin-Krimi "Emil und die Detektive" erfunden" oder der Berliner Zeitung "Für das Buch wird der Autor von Menschen zwischen acht und 80 verehrt (...). Das Buch wird für den Deutschunterricht der 5. und 6. Klassen empfohlen.

In der anschließenden, angeregt geführten Diskussion waren die meisten Zuhörer mit Herrn Sippel einig, dass die wahrmherzig beschriebenen Figuren des Romans einen Held haben - den tiefbegabten Rico. 


 

23.09.2009
Thema: "Menschenrechtssituation in China"

Die Menschenrechtssituation in China war diesmal auf der Tagesordnung der Ringvorlesung. Dazu konnte Herr  Prof. Dr. Sven Bernhard Gareis (Politikwissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster) gewonnen werden, der aufgrund seiner beruflichen Beschäftigung und durch seine vielen Aufenthalte in China als Experte für chinesiche Politik gilt. 

In seinem interessanten Vortrag machte Herr Prof. Dr. Gareis deutlich, dass das chinesische Selbstverständnis wie eine Gesellschaft auszusehen habe, sich deutlich von den "westlichen" Modellen unterscheidet. In der westlichen Welt wird Individualität und persönliche Freiheit als das höchste Gut betrachtet, demgegenüber der größte Wert in der chinesischen Gesellschaft die staatliche Stabilität ist. Diese Sichtweise ist durch ein konfuzianisches Weltbild geprägt, welches Harmonie als das erstrebenswerteste Gut definierte. Auf Grundlage dieses Selbstverständnisses rechtfertigt und legitimiert sich auch die Kommunistische Partei in China als Garant für Stabilität. So ist es auch zu erklären, warum die chinesischen Sicherheitskräfte so massiv gegen jegliche Unabhängigkeitsbestrebung von Menschengruppen vorgehen.

Ein differenzierter Blick sei jedoch nötig, so Herr Prof. Dr. Gareis um China wirklich verstehen zu können. Man macht es sich zu einfach, China als das "Land des Bösen" zu bezeichnen denn auch hier gibt es große Reformbestrebungen, um das Land weiter zu öffnen und persönliche Rechte auszuweiten.

In der anschließenden, von dem Direktor des Bonifatiushaus Gunter Geiger moderierten, Diskussion wurde nochmals detaillierter auf Themen wie Korruption, die Lage der Wanderarbeiter und den Umweltschutz eingegangen. Mit dem Statement, "die Menschenrechte hätten in China eine größere Chance als es diese Land vermuten lasse" beendet der Referent mit einem optimistischen Ausblick diesen Akademieabend.


 

Referent Herr Prof. Dr. Sven Bernhard Gareis
Diskussion mit den Teilnehmern



Mittwoch 09.09.2009
Thema: "Frauen in Indien zwischen Exklusion,
Partizipation und Emanzipation"
In Zusammenarbeit mit Misereor / Aachen

Der Direktor des Bonifatiushauses Herr Gunter Geiger begrüßte die Gäste zum zweiten Akademieabend der Ringvorlesung "Menschenrechte", bei dem diesmal die Stellung der Frau in der Gesellschaft Indiens thematisiert wurde. Er hob auserdem hervor, dass die "Frauenrechte" neben dem "Recht auf Bildung" der zweite große Themenblock der Ringvorlesung sei.

In ihrem umfassenden Vortrag legte Frau Benazir Lobo-Bader die historische und jetzige gesamtgesellschaftliche Lage der Frauen in Indien im Kontext von Menschenrechten dar. Sie thematisierte das über 2000 Jahre alte und immernoch in Indien präsente Kastensystem, welches sogar innerhalb der nicht hinduistischen Religionsgemeinschaften wirkt. Die Globalisierung sei dabei eher den gebildeten und ökonomisch unabhängigeren Frauen zugute gekommen, wohingegen die Armen unter den Frauen vermehrt Gewalt erfahren müssen. Frauen würden in Indien immernoch von der "Wiege bis zur Bahre" diskriminiert. Tradierte Vorstellungen die sich in Aussagen wiederspiegeln bei denen eine Tochter als das "ärgste Elend" ( u.a. aufgrund der Regelungen von Mitgift) beschrieben werden untermauern dies. Kindstötungen von Mädchen seien dabei immernoch an der Tagesordnung, was sich deutlich in der demographischen Entwicklung Indiens zeigt. Bestrebungen dies zu ändern seien jedoch am wirken - machte Frau Lobo-Bader Hoffnung. Dabei bekommt der Bedeutung des Empowerments ein besonderer Stellenwert zu. Partizipation von Frauen und Männern in gemeinsamen Projekten, Anpassung dieser an lokale Realitäten und Einwirkung auf unterschiedliche Ebenen der Gesellschaft sind Schritte dazu. 

Möglicherweise wird dann die folgende Aussage von Jawaharlal Nehru nicht nur in der Praxis sondern auch in den Köpfen der Menschen Wirklichkeit: "When woman move forward, the family moves, the village moves and the nation moves."

Bei der anschliessenden vom fachkundigen Publikum und der Expertin Frau Benazir Lobo-Bader geführten Diskussionsrunde wurden einige Themen noch detaillierter betrachtet und erläutert.

Frau Benazir Lobo-Bader Indienreferentin von Misereor
Diskussion mit Teilnehmer des Akademieabends




Mittwoch 03.09.09 Ausstellungseröffnung der
Kunst- und Fotoausstellung zum Projekt:„Josefs Legenden“
Eröffnung der Ausstellung mit einer theologischen Einführung von Dr. Andreas Ruffing, Leiter der kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge und Männerarbeit in den deutschen Diözesen.

Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage: "Wer er selbst eigentlich sei?" begegnete der Theologe und Journalist Thomas Müller der neutestamentlichen Gestalt des Josefs. Inspiriert durch diesen Mann entwickelte er dessen Identität mit Phantasie und dem Bezug zur Heiligen Schrift weiter.

Dr. Andreas Ruffing erläuterte in seinem sehr interessanten und viele Bezüge aufgreifenden Referat die Auseinandersetzung des Künstlers mit der doch so facettenreichen Gestalt des Josefs.

Herr Dr. Andreas Ruffing zeichnet dabei das Bild eines im Hintergrund seienden und antiquierten Josefs der "lediglich" Gottes Weisungen ausführt. Gerade jedoch diese unbedingte Gottestreue macht ihn zu einem Vorbildhaften und Identitätsstiftenden Menschen. Der Evangelist Matthäus charakterisiert Josef einzig mit dem Merkmal des gerechten Mannes - was dies aber in der Konsequenz für Josef bedeutet haben könnte offerieren die Werke des Künstlers, so Dr. Ruffing weiter. Man wird in der Ausstellung Bilder finden, die einen deutlichen Bezug zu den auch heute präsenten Themen von Flucht und Vertreibung, existenziellen Ängsten und persönlichen Sinnkrisen zeigen. Diese sind hier in den Kontext gebracht zu einem tiefgläubigen, gottesfürchtigen  und daher handelndem Mann.

Den Flyer der Ausstellung gibt es zum Download hier...

Eröffnung der Ausstellung durch Herrn Dr. Andreas Ruffing und Herrn Gunter Geiger
Theologische Einführung von Herrn Dr. Andreas Ruffing
Ausstellungsobjekte
Ausstellungsinteressierte




02.09.2009 Auftaktveranstaltung
Thema: "
Die Menschenrechte:
unbekannt, unverstanden und ungeachtet? -
Eine weltweite Herausforderung für die Bildung
"
Referent: Prof. Dr. Karl-Peter Fritzsche
(UNESCO Lehrstuhl für Menschenrechtserziehung /
Otto-von-Guericke-Universität / Magdeburg)

Zur Ringvorlesung Menschenrechte, die das Bonifatiushaus Fulda zusammen mit den Volkshochschulen des Landkreises und der Stadt Fulda im Rahmen des "Hessencampus" veranstaltet, konnte für die Auftaktveranstaltung Herr Prof. Dr. Karl-Peter Fritzsche vom UNESCO Lehrstuhl für Menschenrechtserziehung gewonnen werden. 

Die Begrüßung der Gäste erfolgte durch den Direktor des Hauses Herrn Gunter Geiger. Er verwies in seiner Einleitung darauf, dass die Ringvorlesung die Fortsetzung des 2008 durch eine Fachtagung gestarteten öffentlichen Diskurses im Bonifatiushaus sei. Die Menschenrechte zum Thema zu machen ist ein besonderes Anliegen des Hauses.

Herr Prof. Dr. Fritzsche umriss in seinem einstündigen kurzweiligen und sehr prägnanten Vortrag, die Bedeutung und die Problematik im Verständnis und Umgang mit den Menschenrechten von Personen und Institutionen. So sei die Deklaration der Menschenrechte 1948, als "Aufschrei der internationalen Völkergemeinschaft" die Reaktion auf "extreme" Unrechtserfahrungen gewesen. Jedoch sei es erforderlich, um eigene und fremde Menschenrechte einfordern zu können, Bewußtsein und Wissen um den Inhalt und die Bedeutung von Menschenrechten zu besitzen. Dabei ginge es nicht um theoretische Konstrukte sondern darum, dass die Würde des Menschen für jeden einzelnen erfahrbar gemacht werden sollte. Insbesondere im Umgang und der Erziehung von Kindern sei dieser Zugang bedeutend.

In der anschliessend kontrovers geführten Diskussion mit den Teilnehmern, kristallisierte sich die Frage heraus, wieviel Recht der Mensch hätte, sich selbst Schaden zuzufügen und seine eigene Würde zu verletzen. Mit dem Appell, die eigenen Bemühungen um die Menschenrechte weiterzuführen, beendete Herr Prof. Dr. Fritzsche die interessante Auftaktveranstaltung.

Prof. Dr. K. Peter Fritzsche
Menschenrechte in der Diskussion
Themen
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