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Fachtagung zu Rollenbildern im Bonifatiushaus

Im Fuldaer Bonifatiushaus fand jüngst in Kooperation mit der „Osthessischen Initiative gegen Gewalt im Namen der Ehre“ die Fachtagung „Rollenbilder im kulturellen Kontext“ statt. Der Fachtag mit über 70 Teilnehmern nahm das kulturbedingte Rollenverständnis von Frauen und Männern aus patriarchalen Gesellschaften und deren Aufeinandertreffen mit westlichen Gesellschaften, insbesondere im Einwanderungsland Deutschland, in den Fokus. Prof. Dr. Susanne Schröter vom Globalen Forschungszentrum Islam der Universität Frankfurt ging in ihrem Vortrag der Entwicklung der Frauenbewegung beginnend im 11. Jahrhundert in fernöstlichen Ländern über das Mittelalter in Europa bis in die heutige Zeit nach. Sie ließ ein lebendiges Bild von starken Frauen in unterschiedlichen Kulturen entstehen, die dazu beitrugen, „dass Frauen je nach dem kulturellen Kontext ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben“. Dieser sei je nach Gesellschaftsordnung und Land sehr unterschiedlich. Daran schloss sich der Beitrag von Edibe Hertel an, die als Religionswissenschaftlerin der Frage nachging, was der Koran zu der Rolle der Frau im Islam zu sagen hat. Sie zeigte anhand einschlägiger Suren auf, „wie sich die Frau zu verhalten hat und wie die Beziehung zwischen Mann und Frau geregelt ist“.

Religionen im Gespräch

Spannend wurde es auch, als der Familientherapeut und Theaterpädagoge Ylmaz Atmaca erläuterte, in welches Rollenbild ein Junge, der in patriarchalen Strukturen aufwächst, hinein sozialisiert wird. „Während die Frau Tochter, Mutter und Großmutter sein kann und ihren Lebensmittelpunkt in der Familie hat, sieht sich der Junge einer von Männern dominierten hierarchischen Gesellschaftsstruktur gegenüber, in der dem jeweilig Älteren bzw. dem angesehenen Mann Respekt und Achtung entgegengebracht wird.“ Während für die Frau keine Karriere vorgesehen sei, könnten und sollten Männer auf der Karriereleiter aufsteigen. Dazu sei es wichtig, die Familie zu beschützen und die Familienehre zu verteidigen. Der „Ehre“ komme hier eine zentrale Bedeutung zu. Zusammenfassend erläuterte er, dass Männer bzw. Familien sich in ihrer Ehre verletzt fühlten, wenn eine Frau oder ein weibliches Familienmitglied „ihre Männlichkeit bedroht“. Gunter Geiger, Direktor des Bonifatiushauses, zeigte sehr zufrieden mit den vielschichtigen Diskussionen, die sich an die jeweiligen Vorträge anschlossen, und sagte zu, den Themenkomplex weiter zu bearbeiten.

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