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Jugend und Jugendarbeit in "Zeiten von Corona"

Bei einem Akademieabend am Donnerstag, 03.09.2020 im Bonifatiushaus Fulda sprach der emeritierte Marburger Rechtsextremismus- und Jugendforscher Prof. Dr. Benno Hafeneger vor 40 Teilnehmenden, überwiegend Schülerinnen und Schülern der Richard-Müller-Schule in Fulda, zum Thema „Jugend in Zeiten von Corona“. Er nahm dabei die Situation der Jugendlichen konkreter in den Blick und führte aus, wie gravierend die junge Generation mit der Corona-Pandemie bzw. ihren Auswirkungen konfrontiert ist.

Die Schließung der KiTas, Schulen, Freizeiteinrichtungen – ein bisher nie dagewesenes Ereignis in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – und der tägliche Realitätsdruck durch die Omnipräsenz der Thematik „Corona“ in den Medien und den alltäglichen Gesprächen ist für die „Generation Corona“ ein prägendes Merkmal. Die Langzeitfolgen des Lockdowns müssten zwar noch untersucht werden, bisherige Studien würden jedoch bereits zeigen, dass ein großer Anteil der Jugendlichen unter Vereinsamung, Verunsicherung und Überforderung leide.


Mit der erzwungenen Entschleunigung und dem Wegfallen von Termindruck, Routine und einer das Leben prägende Übertaktung gingen und gehen Stress, Langeweile und Ohnmachtsgefühle einher. Auffällig sei in der ersten Phase des Lockdowns die um zunehmende mediale Rezeption zur Bekämpfung von Langeweile, Aufrechterhalten von Sozialkontakten sowie im Sinne einer Realitätsflucht, das individuelle Bewegen in Form von Spazierengehen und Sport in der Natur, mehr und anders genutzte Zeit mit der Familie sowie ein vermehrtes Nachdenken und Grübeln gewesen.


Zwar sind Jugendliche in ihrer Entwicklungszeit durchaus mit Sorge, Ängsten, Ungewissheit und Unsicherheit konfrontiert, neu sei jedoch die Erfahrung, mit dem übermächtigen Realitätsdruck bzw. der „Coronaglocke“ umzugehen, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und quer zu den adoleszenten Dynamiken und Themen liege.


Die lange und als differenziert zu betrachtende Jugendzeit sei eine besondere Entwicklungs- und Übergangszeit, in der die junge Generation ihre adoleszente Dynamik ausleben und im Kontakt mit anderen Jugendlichen ihre Lebensthemen kommunizieren will und muss. Eine zentrale Herausforderung bestünde darin, die kognitiven Herausforderungen und zugehörigen Entwicklungswelten der einzelnen Entwicklungsphasen zu integrieren und zu bewältigen. Damit dies gelinge, bräuchten Jugendliche neben Erwachsenen immer auch Gleichaltrige, mit denen sie sich messen und spiegeln können. Durch Corona sei die Adoleszenz momentan „stillgelegt“.

Prof. Dr. Benno Hafeneger betonte abschließend, dass Bildungs- und Familienpolitik gerade zu Beginn der Pandemie stärker Beachtung hätten finden müssen.

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