Pressemeldung

Fachtagung Digital 2020 im Bonifatiushaus

Am 16. und 17. Mai 2019 drehte sich auf der Fachtagung „Digital 2020“ im Bonifatiushaus Fulda

alles um „Die Attraktion des Extremen“ und die Radikalisierungsprävention im Netz.



Wege gegen Radikalisierung im Web


 


Fake-News, Hate-Speech und Extremismus sind nicht nur in Social Media zu finden, sondern zunehmend auch im Bereich der Online-Games. Auf der Fachtagung „Digital 2020“ beleuchteten Expert/-innen das Thema von verschiedenen Seiten und stellten Strategien zum Umgang dar.


  

Am 16. und 17. Mai 2019 drehte sich auf der Fachtagung „Digital 2020“ im Bonifatiushaus Fulda 

alles um „Die Attraktion des Extremen“ und die Radikalisierungsprävention im Netz. Ausgerichtet


wurde die Veranstaltung von der AKSB – Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland e. V., dem Bonifatiushaus Fulda, der Clearingstelle Medienkompetenz der deutschen Bischofskonferenz und der LPR Hessen – Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien. Rund 20 Expert/-innen gaben Einblicke in ihre ganz unterschiedlichen Fachbereiche und vermittelten praktische Möglichkeiten zur Präventionsarbeit. Gefilmt wurde die Veranstaltung vom offenen Kanal Fulda.


Auf die Herausforderungen im Internet ging Joachim Becker, Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien und Kooperationspartner der Fachtagung, in seinem einleitenden Vortrag „Fake News, Hate Speech und Extremismus im Netz – Wir können viel tun!“ ein. „Viele Möglichkeiten, die das Internet bietet, haben das Potenzial, das wir bestimmte Regeln nicht mehr beachten“, beschrieb Becker eine der Herausforderungen, und: „Eine fehlende Sanktionierung von strafbaren Äußerungen kann als zulässige eigene Meinung missverstanden werden.“ Doch es gibt viele Initiativen, Projekte und Möglichkeiten. Als einen wesentlichen Aspekt verwies Becker auf die Bildungsarbeit: „Je kompetenter Menschen mit Problemen vertraut sind, desto besser können sie damit umgehen. Medienkompetenz ist eine tragfähige und wichtige Säule, die durch einschlägige Bildungsarbeit vermittelt werden muss.“


Die folgenden Impulse befassten sich mit der „Rolle des Internets und sozialer Medien für Radikalisierung und Deradikalisierung“ und der „Politischen Bildung & Prävention im Netz“. Dabei zeigte sich, dass es zwischen rechtem und islamistischem Extremismus viele Parallelen gibt und auch die Ansätze der Präventionsarbeit bei beiden Formen ähnlich sind.


Einen bisher selten beleuchteten Aspekt brachte Medien- und Spielpädagoge Michael Fischer in seinem Beitrag „Kommunikation in den Chaträumen virtueller Welten – Wie Computerspiele die Gesellschaft reflektieren“ ein. Auch dort findet Hate-Speech statt, insbesondere auch sexistisch geprägt, tauschen sich extreme Positionen aus und wechseln in andere Foren. Aus Games und Foren leitet Fischer künftige Entwicklungen ab: „Hier sieht man, was sich in fünf Jahren in Social Media abspielen wird.“


Zur Fachtagung waren viele Vertreter aus der Region Fulda angemeldet, insbesondere Akteure des Bildungsbereichs. Der offene Akademieabend als Teil der Veranstaltung war für alle interessierten, jedoch nicht angemeldeten Besucher aus dem Raum Fulda geöffnet. Dort sprach Dr. Jürgen Rink, Chefredakteur der c‘t – Magazin für Computertechnik über „Emotionen versus Diskussion: Wie digitale Medien die Kommunikation bestimmen.“ An drei Beispielen zeigte er die Macht von Facebook, WhatsApp und die Eigendynamik von Shitstorms, bot aber auch Anregungen zum eigenen Umgang mit dem Internet.


Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der praktischen Arbeit, in vier Workshops setzten sich die Teilnehmer/-innen intensiv mit Methoden zur Extremismus und Radikalisierungsprävention auseinander. So befasste sich Prof. Andreas Büsch, Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz an der KH Mainz und Kooperationspartner der Fachtagung, im Workshop mit Comics als Methode für „Religionssensible politische Bildungsarbeit – medien-praktisch!“. Junge Menschen erreichen und so mit ihnen in den Austausch kommen, lautete hier den Ansatz. Denn, so Büsch: „Ich kenne keine Methode im Sinne eines Werkzeugs, mit der sie Radikalisierung verhindern können. Wir kennen aber eine Reihe von medienpädagogischen Ansätzen, mit denen man mit jungen Menschen in den Austausch kommt.“


„Extremismus und Prävention im Web hat viele Facetten. Das hat ‚Digital 2020‘ gerade wieder deutlich gemacht“, fasst Gunter Geiger, Direktor des Bonifatiushaus Fulda, Vorsitzender der AKSB und Kooperationspartner der Fachtagung „Digital 2020“ die Veranstaltung zusammen. „Durch die Geschwindigkeit der Digitalisierung ist die politische Bildungsarbeit extrem herausgefordert, da Gesellschaft und auch Politik immer weniger Gestaltungsmöglichkeiten haben. Damit unser Zusammenleben und unsere Demokratie nicht von Medienunternehmen oder Großkonzernen der Digitalwirtschaft bestimmt wird, sondern nach wie vor von gewählten Volksvertreten.“


Die Fachtagung „Digital 2020“ ist Teil des Projekts „Respekt Coaches“, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Teil der „Respekt Coaches“ ist auch das Projekt „Religionssensible politische Bildungsarbeit“, für das Dr. Andrea Keller innerhalb der AKSB als Referentin zuständig ist. Die enge und sinnvolle Verknüpfung der Themen mit der Veranstaltung erklärt Keller: „Digitale Medien werden als eine Möglichkeit genutzt, junge Menschen für extremistische Ideologien zu gewinnen. Daher sollte politische Bildung auch in und mit digitalen Medien arbeiten.“




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