Mit Impulsen durch die Karwoche

Palmsonntag: Wer zum verheißenen Land gelangen will, muss durch die Wüste

Im Buch Jesus Sirach des Alten Testaments heißt es: „Wenn du herantrittst, um dem Herrn zu dienen, mache dich bereit für die Erprobung. Denn im Feuer wird Gold geprüft und die Menschen im Schmelzofen der Erniedrigung.“ (Sir 2,1;5) Ist also Gott der, der uns erproben möchte? Müssen wir Gottes ‚Aufnahmeprüfung‘ bestehen, um zu ihm gelangen zu können?

 

Die Bilder von der Prüfung, die Sirach benutzt, finden sich an vielen Stellen der Bibel wieder; so etwa in den Psalmen. Sie haben ihren Ursprung alle in dem einen Urerlebnis des Volkes Israel vom Auszug aus Ägypten und der Wanderung durch die Wüste in das verheißene Land. (vgl. Ps 66). Und sie stehen damit für eine Urerfahrung menschlichen Lebens, die alle betrifft: Alles Leben in der Hoffnung auf den Herrn, ist endliches, begrenztes und bedrohtes Leben, ist gleichsam Wüstenwanderung.

Und warum ist dies so? Weil das Leben nun einmal so ist. Weil nun einmal zwischen Ägypten und dem verheißenen Land die Wüste liegt. Und da muss man hindurch.

 

Doch wer erklärt uns diese Urerfahrung, dieses Leid, das uns alle angeht?

 

Am Palmsonntag, dem Anfang der Karwoche, gedenken wir des Einzugs Jesu in Jerusalem. Das Volk jubelt ihm zu und streut Palmzweige auf seinen Weg. Damit empfangen sie ihn als Sohn Davids, als ihren König und Messias (vgl. Joh 12,12-19). Aber vor ihm liegt kein königliches Leben, sondern Leiden, Kreuz und Tod. Die christliche Tradition kennt den Palmzweig als Symbol für das Martyrium.

 

Jesus Christus ist nicht in diese Welt gekommen, um uns das Leid in der Welt zu erklären. Wir bekommen von ihm keine wissenschaftliche Abhandlung darüber. Er ist Mensch geworden, um – mit uns und für uns – das Mysterium des Leidens zu durchleben; um als wahrer Mensch mit uns gemeinsam durch die Wüste zu wandern, um unser Schicksal zu erleiden.  Und wenn wir – um einen Gedanken des Apostels Paulus aufzunehmen – mit Jesus Christus durch die Wüste gewandert sind, wenn wir als Menschen gemeinsam mit ihm sterben werden, dann haben wir die Hoffnung, dass wir auch mit ihm gemeinsam ins verheißene Land kommen, gemeinsam mit ihm auferstehen. Warum? Weil er uns gezeigt hat, dass hinter der Wüste das gelobte Land liegt.

 

 

Burkhard Kohn

Referent Bonifatiushaus Fulda


Bonifatiushaus

Bonifatiushaus Fulda


Neuenberger Str. 3-5

36041 Fulda


 



 

 



Telefon: 0661 / 8398 - 0

Telefax: 0661 / 8398 - 136

 


© Bonifatiushaus

 

Bonifatiushaus Fulda


Neuenberger Str. 3-5

36041 Fulda




© Bonifatiushaus