Mit Impulsen durch die Karwoche

Ecce homo: Wie Gott in seinem Innersten ist

Die Evangelien des Neuen Testaments berichten über das öffentliche Auftreten Jesu. In seiner Botschaft vermittelt er uns viel über sein Verhältnis zu Gott, den er seinen Vater nennt. Das gilt besonders für das Johannesevangelium. Hier wird der Leser immer tiefer in die Innigkeit dieses liebenden Verhältnisses eingeführt, sodass Jesus in seinen Abschiedsreden am Ende sagen kann: „Wer mich sieht, sieht den Vater“. (Joh 14,9). Es wird deutlich, worin Jesus die Aufgabe seines Wirkens sieht: In seiner Person den Menschen seinen Vater nahe zu bringen, so, wie er wirklich ist: Als sie unendlich liebender Gott.

 

Johannes erzählt in seiner Passion davon, dass der römische Statthalter Pilatus Jesus nach der Geißelung den Menschen zeigt und sagt: „Ecce homo!“ Seht, der Mensch. Für ihn ist an dieser Person nichts Göttliches mehr zu finden.

Das Johannesevangelium ist anderer Meinung. Als Jesus am Kreuz stirbt, sind seine letzten Worte: „Es ist vollbracht!“ – Sein Auftrag, den Menschen Gott nahe zu bringen, findet erst am Kreuz seine Vollendung und seinen Höhepunkt. Den Menschen am nächsten ist Gott am Kreuz, im geschundenen Körper seines Sohnes.

 

In einem Vortrag in der Karwoche 2016 hat die Tübinger Dogmatikerin Johanna Rahner unter der Überschrift „Der Tod Jesu bei Johannes – Die paradoxe Antwort auf die Frage, wer und wie ist Gott“ das Gesagte auf den Punkt gebracht:

Wer sich der Frage zuwende, wer Gott sei, dürfe den in Jesus Christus vollkommen anschaulichen Gott, in seiner irritierenden Unansehnlichkeit und Würdelosigkeit am Kreuz nicht aus dem Auge verlieren. Im Tod des Menschen Jesu bei Johannes werde Gott so offenbar, wie er in seinem Innersten ist: als sich hingebende Liebe, die alles riskiert. Was Gottes Herrlichkeit, seine Hoheit, seine Macht und Ehre bedeuten, zeige sich in dieser Lebenshingabe des Menschen Jesu von Nazaret.

 

Jesus hat gesagt: „Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10,30) Das „Ecce Homo“ ist auch das „Ecce Deus“. Also: Wenn wir auf den schauen, der durchbohrt worden ist, sehen wir Gott den Vater, wie er uns näher nicht sein kann. Er ist die sich bis zum Letzten hingebende Liebe zu uns Menschen. 

 

 

Burkhard Kohn

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