Mit Impulsen durch die Karwoche

Alles hat seine Zeit

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit, pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit, töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit, abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit, weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit, klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit, […] Kohelet 3, 1-4

Bonifatiushaus

In früheren Zeiten waren den Menschen oft Grenzen durch die Natur gesetzt: Man konnte die Nacht nicht erhellen. Bestimmte Lebensmittel gab es nur zu bestimmten Zeiten im Verlauf des Jahres. Kurzum: Alles hatte seine Zeit.

Das Leben fand stärker als heute in bestimmten Rhythmen statt: Bestimmt durch die Natur, bestimmt durch die Gesellschaft, bestimmt durch die Kirche. So war die Fastenzeit beispielsweise eine Zeit des Verzichts, gefolgt von Zeiten der Fülle, die danach kamen. Der Sonntag unterschied sich viel stärker als heute von den anderen Arbeitstagen. Wenn es dunkel wurde, war der Arbeitstag vorbei. Man lebte in den Begrenzungen, die Gesellschaft oder Natur vorgaben. Man war Grenzen in ganz anderer Art und Weise als heute gewohnt.

Viele dieser Grenzen sind heute überwunden worden – es ist viel mehr möglich, wodurch wir gleichzeitig ein Stück freier geworden sind. Umso stärker treffen uns die momentanen Einschränkungen im Rahmen der Krise.

Die uns neu auferlegten Grenzen gehen für viele mit „mehr Zeit“ einher, was in ein Dilemma führen kann: Auf der einen Seite werden wir momentan auf für uns ungewohnte Art und Weise mit Grenzen konfrontiert und in unserer Freiheit eingeschränkt, was uns schwer fällt:

Jetzt ist nicht die Zeit, Freunde und Verwandte zu besuchen, beim Fußballspiel der Mannschaft zuzujubeln oder in einem überfüllten Café zu sitzen und das Treiben zu beobachten.

Gleichzeitig sind viele Menschen mit so viel Freiheit und Zeit konfrontiert, dass sie überfordert sind: Strukturen des Alltags fehlen. Es ist „weniger zu tun“. Auf einmal stehen wir vor der Aufgabe, uns selbst Grenzen zu erfinden, um unsere Freiheit zu schützen, damit nicht alles zu jeder Zeit seine Zeit hat.

Durch die äußeren Umstände werden viele von uns gerade zur Entschleunigung gezwungen, zum An- und Innehalten. Und bei aller Negativität, bei allen Sorgen, die die Situation mit sich bringt, kann man beobachten, wie Menschen alleine in den Fuldaauen spazieren gehen und alle Entgegenkommenden (aus 2m Abstand) freundlich grüßen, Menschen ihr Gesicht in die Sonne halten und ihrer Umgebung eine ganz neue Aufmerksamkeit schenken: Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm, wenn in ein paar Wochen alles weiterrauschen muss. Vielleicht aber ist es momentan auch eine Zeit, in der wir lernen können, einfach zu sein, nicht zu tun und uns selbst zu finden und nachzuspüren.


Maria Mnich, Bildungsreferentin Bonifatiushaus

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