Impulse

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“

Gedanken zum 5. Sonntag der Osterzeit  


„Cantate!“ – „Singt dem Herrn ein neues Lied!“: So zitiert der Eröffnungsvers des 5. Sonntags der Osterzeit den Psalm 98. Und weiter heißt es dort: „Denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Und sein gerechtes Wirken hat er enthüllt vor den Augen der Völker!“

 

Nicht selten, wenn Menschen nach ihren Gottesvorstellungen gefragt werden, heißt es: „Ja, ich glaube an eine ‚irgendwie‘ höhere Macht!“ Vielen Menschen ist ‚ihr‘ Gott ein weit entrückter, verborgener Gott. Der ‚unbewegte Beweger‘, der alles trägt und lenkt, dem aber das, was er hervorbringt, Universum, Welt und Mensch, eigentlich egal ist; eine Kraft oder Macht, der Emotionen wie etwa Liebe angesichts ihrer alles umspannenden Größe fremd sind, weil Gott eben keine Person ist. Und wenn diese Kraft ‚Gott‘ genannt emotionslos ist, eigentlich nichts will, ist man ihr auch nichts schuldig, muss man sich ihr gegenüber nicht verhalten. Gott ist Gott und ‚mir san mir‘! Basta!

 

Der Eröffnungsvers des Sonntags spricht eine andere Sprache: Gott hat sein gerechtes Wirken vor unseren Augen enthüllt. Er hat uns sein Wirken ‚gezeigt‘. Wie ist das zu verstehen?

 

Die Stelle im Johannesevangelium, die an diesem Sonntag gelesen wird, gehört für mich zu einer der schönsten Stellen des Neuen Testaments. Es ist die sogenannte ‚erste Abschiedsrede‘ Jesu. (Joh 14,1-10) Jesus spricht seinen verzagten Jüngern angesichts seines nahen Endes Mut zu. „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen!“ sagt er. „Wenn ich dort einen Platz für euch bereitet habe, werde ich euch zu mir holen. Den Weg kennt ihr.“ Thomas widerspricht ihm unsicher: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir da den Weg dorthin kennen?“ …

 

Die Verkündigung Jesu im Johannesevangelium ist vor allem die frohe Botschaft von seinem innigen Verhältnis zu Gott, den er seinen Vater nennt. Vom Beginn des Evangeliums an

enthüllt Jesus seinen Zuhörern dieses Verhältnis mehr und mehr und beschreibt es damit immer intensiver. So intensiv, dass er auf dem Höhepunkt seiner Verkündigung sagen kann: „Ich und der Vater sind eins!“ (Joh 10,30) Weil Jesus mit dem Vater eins ist, ist er gleichsam die anschauliche Gegenwart Gottes unter den Menschen. Und diese Gegenwart ist unendliche Liebe zu ihnen. Jesus weilt in der Welt, weil Gott die Menschen grenzenlos liebt (Joh 3,16f).

 

Auf die Frage des Thomas vom Weg zum Hause Gottes des Vaters; und auf die Frage der Menschen nach dem Weg zu einem vermeintlich unendlich fernen und entrückten Gott antwortet Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.“

 

Jesus ist der Weg. Auf ihm zu wandeln heißt, Jesus nachzufolgen in seiner Liebe zum Vater. Jesus ist die Wahrheit die es für uns zu glauben gilt: Gott liebt die Menschen über alles und hat uns deshalb seinen Sohn gesandt. Jesus ist das Leben: Er ist der Quell des lebendigen Wassers, das ins ewige Leben fließt für alle, die auf ihn sein Vertrauen setzen. (Joh 4,14) Und wenn wir Gott erkennen, sehen möchten, so bleibt uns nur der Blick auf den, ‚den sie durchbohrten‘ – auf Jesus Christus, den Weg, die Wahrheit und das Leben.

 

Der Gott unseres christlichen Bekenntnisses ist kein fernes, enthobenes und statisches ‚Etwas‘. Unser Gott ist der Gott, der Welt und Mensch so geliebt hat, dass er auf diese Welt gekommen ist. Ganz anschaulich, ganz anfassbar, als Mensch unter uns Menschen.

 

Burkhard Kohn, Bildungsreferent Bonifatiushaus

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