Impulse

„Er sitzt zur Rechten Gottes des Vaters“ – Impuls zum Hochfest Christi Himmelfahrt

Das apostolische Glaubensbekenntnis formuliert das, was wir an diesem Donnerstag feiern, in einem kurzen Satz: Jesus von Nazareth ist „auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel und sitzt zur Rechten Gottes des Vaters.“ Als Christ in der (Spät-)Moderne, die wenig Raum lässt für einen naiven Kinderglauben, ist dieser oft gebetete Satz eine Herausforderung – so wie das gesamte nachösterliche Geheimnis und so wie die existentielle Botschaft des Christentums überhaupt. Der von vielen Theologen so genannte „Ostergraben“, also der Unterschied zwischen dem verkündigenden und verkündigten Jesus, steht dabei im Raum. Der vorösterliche Jesus, dieser charismatische, unkonventionelle und menschennahe Prediger erscheint uns auf den ersten Blick eingängiger. Doch bei Licht besehen berichten uns die vier Evangelien, die ja nicht nur Grundlage des Glaubens, sondern selbst schon Ergebnis des Glaubens sind, dass auch der vorösterliche Jesus durch sein ganzes Denken, Sprechen und Handeln von Anfang an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Himmel und Erde umfasst. Er bricht durch seine Wunder, seine Zeichen, ja seine eigentliche Existenz die Gegenwart all jener auf, denen er begegnet und lässt jeden davon ein Stück der Ewigkeit, ein Stück des Himmels kosten. Jesus der Christus, als ganzer Mensch und ganzer Gott, verbindet in unüberbietbarer Weise Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit. Die Ostkirche fasst diese Erkenntnis im Begriff der „theosis“ zusammen, der „Vergöttlichung“. Gott wird in Jesus Christus Mensch, damit der Mensch wieder am Geheimnis Gottes teilhat, das er sich selbst, wegen der Erbsünde, nicht erwirken kann. In Jesus Christus vollzieht Gott den ganzen irdischen Weg des Menschen, von der Geburt durch eine Frau bis hin zum Tod. Doch zugleich zeigt er auf, welchen Weg der Mensch darüber hinaus gehen kann, durch den Tod hindurch zur Auferstehung und zum ewigen Leben. In Jesus Christus, dem Gott-Menschen, ist jedem Menschen der Weg der Erfüllung aufgezeigt, den zu gehen seine Berufung ist. Das Wort „Himmel“ bedeutet damit Herkunft, Ziel und Erfüllung gleichermaßen, ist Ort der Gemeinschaft mit Gott, mit der erretteten Schöpfung, in der es dann wirklich keine Vergangenheit oder Zukunft gibt, sondern nur noch Gegenwart. Natürlich übersteigt all das ein materialistisches, biologistisches Menschenbild der Moderne, aber keineswegs den immer noch vorhandenen und zutiefst menschlichen Hunger nach Heimat, Geborgenheit, Ankommen, Angenommensein und theologischer gesprochen, Vollendung und Heil. Wenn wir nun Christi Himmelfahrt feiern, sollten wir nicht zuletzt einen Blick auf den Beginn der Apostelgeschichte werfen, wo uns von diesem wunderbaren Ereignis berichtet wird. Dort heißt es, nachdem die Abschiedsworte des Herrn geschildert werden: „Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiäa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ (Apg 1,9) Hier wird uns kein Märchen, keine fromme Geschichte vermittelt, sondern die erschütternde Erfahrung der Jünger der ersten Stunde, die die Zeugen der Botschaft von der Menschwerdung und Auferstehung Gottes in Jesus Christus bis zu seiner Vollendung durch die Himmelfahrt werden. Und die Schilderung am Beginn der Apostelgeschichte und das Wort „was steht ihr da und schaut zum Himmel empor“ ist programmatisch für den Beginn der Kirche, die dann in wenigen Tagen, an Pfingsten, durch den Heiligen Geist konstituiert wird: Macht Euch auf, ihr Jünger des Herrn, die Botschaft Jesu Christi zu verkünden, sein Leben, sein Leiden, seine Auferstehung und Himmelfahrt, damit die Hoffnung, die Angst, die Freude und die Sehnsucht der Menschen heute wieder einen Ort hat, der ewig und himmlisch ist.       


Dr. Marco Bonacker

  Der Autor ist Leiter der Abteilung Erwachsenenbildung (komm.) im Bistum Fulda 

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