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„Ich bin dann mal wech…“ – Vom Innehalten, Abschiednehmen und Wiedersehen

„Ich bin dann mal wech…“ – Selbst beim Spazierengehen durch die Fuldaauen begegnet es einem immer wieder: Das Emblem für den Jakobsweg bzw. für das Netz der diversen Jakobswegen durch Europa, den bekanntesten Pilgerwegen der Welt. Nicht erst seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal wech…“ erfreut sich dich Pilgerweg immer größerer Beliebtheit: Freunde und Freundinnen, die diesen bereits teilweise bzw. sogar ganz gelaufen sind, berichteten stets das gleiche: Erstens, dass es zur Hauptsaison kaum möglich sei, wirklich in „Ruhe“ und „für sich“ zu pilgern und zweitens, dass dem Pilgern eine Erfahrung inneliegt, die kaum zu beschreiben ist („Ich würde es jederzeit wieder tun!") – wohl einer der Gründe dafür, warum das Pilgern (und Wandern) sich so großer Beliebtheit erfreut – Tendenz wohl gerade auch in diesem Jahr steigend.


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„Ich bin dann mal wech…“ – gerade die letzten Wochen waren geprägt von einem starken Zurückgezogen-Sein aus Verantwortungsbewusstsein. Wegsein von der Arbeit, Wegsein von Freunden, ein komplettes Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens, so wie wir es kennen. Ein sehr unfreiwilliger Abschied von vielen Plänen, die geschmiedet wurden. Letztlich sind vermutlich viele Menschen mit den gleichen Fragen konfrontiert: Wann wird es wieder „normal“ sein? Wie gehe ich mit der Situation um? Bei allen Überlegungen und Zweifeln, Sorgen und Ängsten kann ein Perspektivwechsel helfen: Was kann ich für mich ganz persönlich aus dieser Situation mitnehmen? Was sagt mir eigentlich mein Inneres in den Zeiten gleichzeitiger äußerer Aufruhr und innerer Ruhe?


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„Ich bin dann mal wech…“ – erst vor wenigen Tagen haben wir Christi Himmelfahrt gefeiert, den Tag, an dem Jesus Christus zu seinem Vater in den Himmel zurückkehrt. Die Jünger werden „zurückgelassen“, Jesus ist physisch nicht mehr bei ihnen, was eine Verunsicherung zur Folge hat. Die Erfahrung, mit der seine Jünger nun konfrontiert werden, ist zwiespältig: Sie müssen lernen, das Alleingelassenwerden, Jesu physische Abwesenheit, zu ertragen und gleichzeitig die von ihm vermittelte Hoffnung bewahren. Himmelfahrt bedeutet insofern zunächst einmal einen Verlust von Nähe, eine vielleicht sogar schmerzliche Gottesferne, Abschied und Einsamkeit.

Der Apostelgeschichte zufolge bewältigten die Jünger diese Phase von Himmelfahrt bis Pfingsten (die sogenannte „Pfingstnovene“) vergleichsweise unspektakulär – sie blieben beieinander, gedanklich durch das Gebet verbunden. Sie taten also erst einmal nichts, ließen alles beim Alten, stärkten sich „von innen heraus“. Dieses „Verharren im Gebet“ war jedoch kein schlichtes Abwarten, bis etwas 

Bestimmtes eintritt, sondern eher eine offene Haltung. Durch innere Ruhe bereiteten sie sich auf das Ungewisse, das Kommende, vor.


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Der heutige 7. Sonntag nach Ostern trägt den Namen „Exaudi“, von lat. exaudere – vernehmen, deutlich hören.

„Exaudi“ – darin verbirgt sich kein direkt vermitteltbarer Inhalt, sondern eine Aufforderung zur Wahrnehmung: Bewusster hinschauen, bewusster „vernehmen“, den Blick auf das Kommende richten. Jesus hat Abschied genommen, er ist „aufgefahren in den Himmel“. Gleichermaßen hat er uns und seinen Jüngern in diesem Zuge verheißen: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“

Die darin liegende Botschaft ist eine durchweg positive: Es bedarf keiner physischen Nähe und Anwesenheit, um das Antlitz Christi oder etwas Gutes in den Dingen zu entdecken. 

Es ist eine Frage des Kontaktes zu sich selbst: „Exaudi vocem meam“ – Vernimm meine Stimme.


Wie das gehen kann? Indem man bewusst sagt: „Ich bin dann mal wech.“ Indem man sich Zeiten der Ruhe nimmt, in denen man ganz still wird: „Erst das Schweigen tut das Ohr auf für den inneren Ton in allen Dingen“ (Romano Guardini). 

Das kann in der Natur geschehen, auf dem Jakobsweg, vorm Lagerfeuer, beim Campen, auf dem eigenen Balkon. Die einzige Voraussetzung besteht darin, zu sagen: Ich schenke mir Zeit, ich bin jetzt einfach mal ganz bei mir, offen für alles, was da ist und kommen mag.


Maria Mnich, Bildungsreferentin Bonifatiushaus

 

Friedhof Wolferts

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