Mit Impulsen durch die Karwoche

Zwischen Quarantäne und Isolation – Gedanken zur Karwoche

Die Fastenzeit neigt sich dem Ende zu. Wie jedes Jahr gehen wir in dieser Woche mit großen Schritten auf das Leiden, Sterben und das Auferstehen Jesu Christi zu, doch trotzdem scheint dieses Mal alles anders zu sein. Im Schatten der Corona-Krise, so heißt es dieser Tage häufig, fällt Ostern praktisch aus. Kein Familienfest, kein Zusammensein, keine Gemeinschaft – abgesehen von denen, mit denen man in den letzten Wochen ohnehin zusammen war. Viele, die meisten Pläne sind durchkreuzt. Die Welt ist stattdessen geprägt von Quarantäne und sozialer Isolation. Es lohnt sich, so durfte ich vor wenigen Tagen durch einen klugen Artikel lernen [1] , sich diese Begriffe, die uns in den letzten Wochen so häufig begegnet sind, gerade vor dem Hintergrund der Karwoche einmal genauer anzusehen. Denn tatsächlich ist besonders die Quarantäne eine zutiefst biblische Idee. Unser Begriff ist abgeleitet vom italienischen „quaranta giorni“ – vierzig Tage. Zur Zeit der grassierenden Pest im Mittelmeerraum entschied man sich im Venedig des 14. Jahrhunderts dazu, Schiffe erst nach einer Wartezeit von vierzig Tagen in den Hafen einfahren zu lassen, um mögliche Krankheiten vorher zu entdecken und Ansteckungen zu vermeiden. Die Zahl vierzig ist dabei nicht einfach zufällig gewählt oder aus medizinischer Sicht angeraten, sondern in Bezug auf die Bibel ein Symbol für Zeiten der Prüfung, Bewährung und des Verzichts: 40 Jahre war das Volk Israel in der Wüste unterwegs, 40 Tage fastete Jesus in der Wüste, 40 Tage dauert auch unsere nun zu Ende gehende Fastenzeit. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise können wir vielleicht wie selten zuvor eine Ahnung davon entwickeln, was Verzicht und Prüfung heißen kann. Auch der Begriff Isolation stammt aus dem oben genannten Kontext: War jemand erkrankt, wurde er isoliert, konkret: Auf eine Insel (ital. isola) verfrachtet. Isolation oder social distancing sind auch heute noch das Mittel der Wahl, um Ansteckungen zu vermeiden. Solidarität bedeutet widersprüchlicherweise heute, dass wir uns aus dem Weg gehen und doch verbunden bleiben. Gerade jetzt sind wir gefordert, unseren Freunden und unserer Familie nahe zu sein, wenn auch nicht physisch. Die erzwungene räumliche Isolation, unter der nicht wenige Menschen leiden, verweist uns noch einmal stärker darauf, dass wir als Menschen soziale Wesen sind. Der Wert der Gemeinschaft und die Notwendigkeit sozialer Kontakte wird uns in diesen Tagen noch einmal ganz neu bewusst, ebenso wie die Sehnsucht nach den Sakramenten, die ja ebenfalls an die physische Präsenz gebunden sind. Doch fällt Ostern trotz Quarantäne oder Isolation nun tatsächlich aus? Natürlich nicht. Zwar stimmt es, dass bestimmte und entscheidende Formen des gemeinsamen Feierns, ja, sogar der liturgischen Praxis nicht möglich sind und auch nicht ersetzt werden können. In diesem Sinne ist die Quarantäne auch in geistlicher Hinsicht ein wirklicher Verzicht! Doch die Auferstehung Jesu Christi ist bereits Wirklichkeit. Als Christen sind wir immer dazu berufen, österliche Menschen zu sein und befreit und erlöst, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Gerade als Christen dürfen wir angesichts einer Krise nicht den Blick für die immer schon vollzogene Erlösungstat Jesu Christi verlieren. Das eigentliche Osterfest kann uns dann auch nichts durchkreuzen!



Marco Bonacker, komm. Leiter der Erwachsenenbildung


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[1] Andreas Raub: Quarantäne. Spiritualität einer venezianischen Hygienemaßnahme, abrufbar unter: https://www.goerres-gesellschaft-rom.de/news-termine/aus-aller-welt/965-quarantaene-ein-wort-aus-venedig-und-seine-ebenso-hygienische-wie-religioese-bedeutung.html?fbclid=IwAR0zGs7UtF8Gy4CP-a_x9DFmRCQDZ5VgBa8DgQXXfHpJhR9H-ZNMYOci60g

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